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MeiDresden.de - Aktuelle News aus Dresden und der Umgebung - Kultusministerin Brunhild Kurth tritt zurück, die Probleme bleiben!

MeiDresden.de  29.09.2017  13:40 Uhr - Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth ist am 29. September 2017, aus privaten Gründen von ihrem Amt zurück. Nach dem Rücktritt von Kultusministerin Brunhild Kurth aus „persönlichen Gründen“ werden die Probleme im Schulbereich des Freistaates Sachsen nicht weniger. Im Gegenteil – sie verschärfen sich täglich. Das Schuljahr begann mit erhöhtem Unterrichtsausfall, weil es keine Reserven mehr gibt und die hohe Zahl von ca. 720 Seiteneinsteigern zunächst ihre dreimonatige Einstiegsqualifizierung absolviert. Aufgrund der Standortnachteile bei den Arbeitsbedingungen von Lehrkräften kann Sachsen im Wettbewerb nicht mithalten, das Resultat ist die bundesweit höchste Seiteneinsteigerquote bei Neueinstellungen (Einstellungsverfahren zum 1.8.2017: 52 Prozent). In der universitären Lehrerausbildung sind nach wie vor eklatante Fehlentwicklungen zu verzeichnen, wodurch es auch noch in mindestens acht Jahren einen Mangel an ausgebildetem Lehrernachwuchs geben wird.

Die Gründe dafür sind dem Interview im Blog des Kultusministeriums zu entnehmen: https://www.bildung.sachsen.de/blog/

Als Staatsministerin Brunhild Kurth 2012 ihren zurückgetretenen Amtsvorgänger Prof. Roland Wöller ablöste, war es bereits zu spät, dem drohenden Lehrermangel zu begegnen, denn eine Lehrerausbildung dauert mindestens sieben Jahre.


Der Sächsische Lehrerverband hatte bereits im Frühjahr 2010 offengelegt, dass die Zahl der notwendigen Einstellungen pro Jahr deutlich die Zahl der zu erwartenden Absolventen der sächsischen Universitäten übersteigen wird und forderte seitdem Einstellungen zur Vorsorge. Diese notwendige Demografievorsorge passte nicht ins Sparkonzept des Freistaates, weil es Pläne des Finanzministeriums gab, die Zahl der Lehrerstellen bis 2020 von 27.595 auf 23.500 (!) zu reduzieren (der aktuelle Haushaltsplan sieht 30.188 Stellen und „Vollzeitäquivalente“ ab dem Schuljahr 2017/2018 vor).


In ihren ersten Jahren als Kultusministerin kämpfte Brunhild Kurth um zusätzliche Lehrerstellen, um so viele Absolventen wie möglich einstellen zu können. Das konnte aber nicht genügen, um dem prognostiziertem Lehrermangel ab 2014 zu begegnen. Im Zuge der Verhandlungen des Jahres 2016 bestand ihr Ziel darin, den Lehrerberuf in Sachsen generell aufzuwerten. Dazu zählte sie zweifelsfrei auch die Verbeamtung, konnte sich damit jedoch innerhalb der Staatsregierung nicht durchsetzen. Auf dem Chemnitzer Lehrertag am vergangenen Wochenende (23.9.2017) forderte sie unter anderem: „Wir brauchen beim Netto-Einkommen einen Gleichstand mit anderen Bundesländern.“
 
„Kultusministerin Brunhild Kurth wollte den Lehrerberuf in Sachsen generell aufwerten, das ist ihr nicht gelungen, denn zu groß waren die Widerstände“, konstatiert Jens Weichelt, Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes.
„Es wäre zu einfach, der Kultusministerin die alleinige Verantwortung für den Lehrermangel in Sachsen zuzuschieben. Bedeutsame Fehlentwicklungen wurden bereits vor ihrer Amtszeit eingeleitet. Selbst nach der Verabschiedung des Maßnahmenpakets der Staatsregierung am 26.10.2016 musste sie noch bis weit ins Jahr 2017 mit dem Finanzminister um viele Modalitäten der Umsetzung ‚verhandeln‘! Als Kultusministerin hat sie auch zu wenig Einfluss auf die Lehrerausbildung an den sächsischen Universitäten. Wenn im Wissenschaftsministerium nicht endlich auf die Schieflage in der Lehrerausbildung reagiert wird, bleibt der Lehrermangel noch mindestens zehn Jahre akut.“
 
Über 90 Prozent der sächsischen Lehrerinnen und Lehrer empfanden das Maßnahmenpaket der Staatsregierung des Jahres 2016 nicht als generelle Aufwertung des Lehrerberufs im Freistaat.
„Eine Lehrergeneration, die mit jahrelanger unfreiwilliger Teilzeit Einkommensverluste und Rentenminderungen verkraften musste, erwartet endlich eine gebührende Wertschätzung“, fordert Jens Weichelt. „Der Lehrerberuf in Sachsen muss endlich aufgewertet werden. Unterschiede beim Nettoeinkommen von mehreren Hundert Euro sind den sächsischen Lehrerinnen und Lehrern nicht mehr vermittelbar. Künftige Maßnahmen müssen außerdem Höhergruppierungsmöglichkeiten in allen Schularten, eine verbesserte Eingruppierung der Grundschullehrer und Arbeitserleichterungen als Ausgleich zu den eklatant gestiegenen Herausforderungen beinhalten.“

 

Quelle: Sächsischer Lehrerverband

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