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MeiDresden.de - Aktuelle News aus Dresden und der Umgebung - "Permanenten Neuanfang" auf dem Neumarkt verschwindet

MeiDresden.de  17.04.2019  14:10 Uhr - (MS) - Zwei Jahre war der "Permanente Neuanfang" auf dem Neumarkt ausgestellt. Nun wird das "Denkmal" abgebaut und eingelagert, denn es ist in den Bestand der Landeshauptstadt Dresden übergegangen. Einen neuen Verwendungszweck für den Permanenten Neuanfang gibt es noch nicht - gerade deshalb wird das Kunstwerk ja im Lapidarium eingelagert, sagte ein Pressesprecher auf Nachfrage von MeiDresden.de



Manch Dresdner mag sich fragen, wo denn das eine oder andere Denkmal aus realsozialistischer Zeit nach dem Umbruch 1990 hingekommen ist, oder wo die Originalvorlagen für Architekturdetails herkommen, die bei den Neubauten am Neumarkt wieder sichtbar werden. Auf viele solcher Fragen lässt sich die Antwort im Lapidarium der Landeshauptstadt Dresden finden. Nach dem Krieg bis zu Beginn der fünfziger Jahre konnten Fragmente des zerstörten Dresdner Stadtzentrums geborgen werden. Diese wurden unter anderem im Palais im Großen Garten, den Gewölben unter der Brühlschen Terrasse, dem Schloss und dem Taschenbergpalais gelagert. Mit Beginn des Wiederaufbaus des Residenzschlosses 1985 tauchte die Frage nach angemessener Unterbringung der Fundstücke auf, die Ruine der Zionskirche auf der Nürnberger Straße kam als dauerhafter Aufstellungsort ins Gespräch.

Foto: MeiDresden.de/Mike Schiller

Fertig gestellt 1912, war diese Kirche zu ihrer Zeit eine der modernsten Kirchenbauten in Deutschland. Nachdem sie gemeinsam mit der Südvorstadt 1945 unterging, konnte nur der kleinste Teil der Kirchenräume weiter genutzt werden. 1982 bezog die Zionsgemeinde ihre neue Kirche auf der Bayreuther Straße, der Stadt Dresden fiel das Ruinengrundstück zu.

Einige der geborgenen Stücke waren bereits dort provisorisch untergebracht, als zwischen 1994 und 1996 die Ruine baulich gesichert, der Innenraum von Schutt beräumt, und schließlich, um Fundstücke und Kirche vor der Witterung zu schützen, die gesamte Kirchenruine mit einem Dach versehen wurde. Es war gelungen, ein vom Krieg zerstörtes Gebäude für die Unterbringung der Fragmente herzurichten, die der Krieg vom alten Dresden übrig gelassen hatte. Mittlerweile sind sämtliche provisorische Lapidarien aufgelöst und die Fundstücke in der Zionskirche gelagert, archiviert und wissenschaftlich erfasst. Auch Denkmäler aus neuerer Zeit werden hier verwahrt oder bis zur Wiederverwendung zwischengelagert.

Fotos: MeiDresden.de  Links: Ulrich Genth

Auf der Arbeitsfläche der Hebebühne steht eine große, regelmäßig perforierte Bronzehohlkugel auf einer kleinen Säule. Sie nimmt Bezug auf Elfenbeindrechselarbeiten aus der Zeit des Absolutismus, die in den Dresdner Kunstsammlungen ausgestellt sind. Darüber ist ein bronzener Abguss des rechten Arms der Trümmerfrau beweglich in einem Gestänge montiert. Dieser gibt in unkalkulierbaren, zufälligen Zeitintervallen einen hörbaren Schlag auf die Kugel ab. Als drittes Element ist der wehende Schleier einer der Figuren des Mozartdenkmals mit dem ihn tragenden, tänzerisch bewegten Arm zu sehen. Alle Figurenfragmente sind an einem Gestänge befestigt ist, das an medizinische Fixateure erinnert. Die Original-Hebebühne wird im ausgefahrenen Zustand stabilisiert. Um die Standfläche zu vergrößern werden zusätzliche Stützen angebracht. Die Gesamthöhe der Skulptur beträgt 7,46 Meter. Ihre Standfläche ist 3,87 Meter mal 2,48 Meter. Sie besteht aus Edelstahl, lackiertem Stahl, Bronze, Aluminium sowie mechanischen und elektronischen Bauteilen.

Foto: MeiDresden.de

Der Vorschlag für die Skulptur entstand 2011, als die Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum unter dem Titel DRESDEN-PERSPEKTIVEN FÜR KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM ein Symposium im ehemaligen Heizkraftwerk Mitte veranstaltete, mit dem Ziel, künstlerische Diskussionen zu Stadtraum und Stadtentwicklung anzuregen und einen produktiven Prozess in der Stadt für Kunst im öffentlichen Raum zu bewirken.
„An ihrem zentralen Standort nimmt die Skulptur eine relativierende Funktion ein, die sich mit der Architektur des Platzes und seiner Bedeutung befasst und Fragen nach einem zeitgemäßen Gedenk- und Denkmalverständnis stellt. Mit ihren sensiblen, konkret an den örtlichen Zusammenhängen ausgerichteten Projekten thematisieren Heike Mutter und Ulrich Genth den öffentlichen Raum als ein vielfältig bestimmtes Spannungsfeld. Wichtig ist ihnen dabei ein offener, bisweilen humorvoller und keinesfalls belehrender Umgang mit den jeweiligen Situationen des konkreten Ortes“, so Annekatrin Klepsch.

Foto: MeiDresden.de

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