Liebe Leser, Ihnen und Ihren Familien einen besinnlichen und friedvollen 1. Advent

Liebe Leser, Ihnen und Ihren Familien einen besinnlichen und friedvollen 1. Advent.
Die tiefe und schwarze Dunkelheit des November, sie weicht der dem Licht und der Hoffnung des Dezember. Endlich ist sie da, die Vorweihnachtszeit. Unsere Wohnungen sind liebvoll geschmückt. Kerzen brennen, Pyramiden drehen sich, Räuchermännchen wehen uns den Duft der Weihnacht in die Nase. Unsere Fenster erstrahlen voller Glanz und wir freuen uns auf das, was da kommen soll. Alle Jahre wieder.

Und irgendwas fehlt!   Foto: Myriams-Fotos/PixabayUnd irgendwas fehlt! Foto: Myriams-Fotos/Pixabay

Alle? Nein! In diesem Jahr ist vieles anders und irgendwas fehlt. Das beginnt schon bei unserem geliebten Striezelmarkt. Oh, wie gerne wären wir doch da heute einfach mal drüber gewandert, hätten eine Bratwurst gegessen, einen Glühwein getrunken und mit Freunden gemeinsam gelacht.
Geht aber nicht, denn der Markt ist nicht da und statt „Nähe suchen“, heißt es im Dezember, „Abstand halten“.

Die wenigen Elemente, die auf dem Marktplatz verblieben sind, sie leuchten und sie sollen uns erfreuen. Aber, schaffen sie das auch? Mit Nichten, denn, wie schon gesagt, irgendwas fehlt.

Auf so manche Tradition werden wir in diesem Jahr verzichten müssen.
Dinge, die wir lange für selbstverständlich genommen haben, sie sind
2020 urplötzlich schwierig geworden. Haben wir es nicht oft als anstrengend und nervig empfunden, am Fest ausgerechnet mit unserer Familie begehen zu müssen? Die Tante Margot mit ihren so langweiligen Geschichten, der Opa Heinz mit seinen doofen Geschenken und Oma Berta, mit ihrem versalzenen Kartoffelsalat. Alle Jahre wieder. Wie furchtbar und nun? 2020? Irgendwas fehlt!

Und seien wir ehrlich, es sind nicht nur weihnachtliche Dinge, die wir schmerzlich vermissen. Es ist auch die eigene Sicherheit, die uns scheinbar verloren gegangen ist. Corona hält uns auf Trab, macht uns Angst und lässt fragend zurück. Sollen wir unsere Liebsten besuchen?
Sollen wir gemeinsam Weihnachten verbringen? Dürfen wir in so einer schwierigen Zeit überhaupt in einen Zug steigen? Klare Ansagen und Worte wären schön, doch auch für sie gilt: Irgendwas fehlt.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat für sich seine Antwort auf all das schon gefunden. Für ihn steht fest: „Dieses Weihnachten, es wird das härteste, was wir jemals erlebt haben“. Im ersten Moment mag man dem zustimmen, aber dann, kommt doch ins Grübeln.
Ist das wirklich so? Irgendwas, fehlt da doch, in der so traurigen und demotivierend Aussicht des CDU-Politikers. Die Vorstellung, die Liebsten nicht sehen zu können, sie ist für ihn furchtbar und das Schlimmste, was es gibt. Daran ist auch nichts auszusetzen, nur haben wir das nicht lange Zeit erleben müssen, Jahr für Jahr? Wie viele von uns in Dresden haben denn Weihnachten schon immer ohne ihre Liebsten auskommen müssen?

Damals, als die Mauer noch stand und der Westen unendlich weit weg war.
Bruder im Osten, Schwester im Westen. Mutter gefangen, Vater frei. Oh, wie traurig und wie hart war da doch so manches Weihnachten.

Und man muss gar nicht in die Vergangenheit schauen. Machen wir es doch real und für jeden greifbar. Sie wollen ein hartes Weihnachten sehen?
Ich verrate Ihnen, wo Sie es finden: Auf der Autobahn, an Raststätten, bei LKW-Fahrern die es nicht mehr nach Hause geschafft haben und nun einsam hinter ihrem Steuer die Geburt unseres Herrn begehen. Sie finden es auf dem Meer, auf Tankern, bei Seeleuten, die für viel zu wenig Geld das Weihnachtsfest an Bord eines Schiffes verbringen müssen. Sie können per Handy oder über Funk ihren Lieben ein kurzes „Frohe Weihnachten“ senden und das war´s.

Es gibt viele Beispiele, die deutlich machen, dass unser Weihnachten, trotz Corona, nicht das härteste aller Zeiten ist. Da fehlt was. Ja.
Aber, genau das, können wir uns selbst uns holen. Dafür brauchen wir keine staatlichen Vorgaben. Wir haben es in der Hand, ob wir unsere Lieben besuchen oder nicht. Und wir können Sie im Zweifelsfalle auch per Videochat, auf dem Smart-TV oder gar dem Handy begrüßen. Corona kann uns viel nehmen und hat uns auch schon viel genommen. Aber, wenn wir jetzt auch noch auf Weihnachten verzichten, dann haben wir als Menschen doch wirklich alles verloren. Entzünden Sie die Kerzen, lassen Sie die Pyramiden Kreisen und die alten Männlein aus Holz rauchen. Es wird ein anderes, ein kleineres Weihnachten und ja, irgendwas fehlt. Aber, es kommt zurück und darauf dürfen wir uns freuen. Wir, die Redaktion von Meidresden wünschen Ihnen einen gesegneten, 1. Advent.

von Johannes Voutsinas

 

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