Es ist anders, keine Frage, aber es ist und bleibt Weihnachten.

Liebe Leser,

einen friedvollen, dritten Advent wünschen wir Ihnen. Frieden und Stille, es sind die besonderen Merkmale, die von Weihnachten ausgehen. Einfach mal ruhig werden, den Alltag vergessen und sich der eigenen Familie freuen, das ist es, was wir „alle Jahre wieder“ zum Fest tun. Aber ist das auch 2020 so? Vermutlich nicht! Wie auch?

Wir sollen ruhig werden? Bei dem Satz muss sich doch jedem Gastwirt der Magen umdrehen. Seit Monaten sind Kneipen, Bars und Restaurants geschlossen. Nichts geht mehr. Gäste gibt es nicht, Einnahmen fallen weg, die eigene Existenz ist massiv bedroht. Ähnliches erleben Künstler und Menschen, die in derren Background tätig sind! Wo kein Konzert, da keine Arbeit. Auch Schausteller kucken in diesem Jahr in die Röhre.
Märkte und Feste wurden allesamt abgesagt. Ausweichkonzepte waren gut gemeint, gingen am Ende aber nicht auf. Wie zynisch, nun zu sagen, man solle den Alltag doch einfach mal vergessen. Tja und die eigene Familie, die besteht in der Regel doch aus vielen mehr als nur einem Haushalt. Da wird es schon schwierig mit der Freude an den Liebsten.

Machen wir uns nichts vor: Weihnachten, das wird und das ist in diesem Jahr wirklich schwierig und für nicht wenige Menschen regelrecht beklemmend. Da nehmen wir uns selbst gar nicht von aus. Unser Redaktionsleiter, Mike Schiller, fährt Jahr für Jahr zum Fest zu seiner Mutter. Es wird gelacht, lecker gegessen, getrunken und die Geburt Christi gefeiert. In diesem Jahr allerdings, findet all das nicht statt, zumindest nicht so. Das fühlt sich an, als würde einem jemand ein Messer ins Herz rammen. Es tut weh, furchtbar weh. Aber, die dramatische Lage im Erzgebirge lässt nichts anderes zu. Der von mir schon oft erwähnte, Armin Laschet, er hat es deutlich auf den Punkt gebracht: Dieses Weihnachten wird das härteste, was wir uns vorstellen können.

Wenn Sie meine Artikel in den vergangenen zwei Wochen gelesen haben, dann wissen Sie, was ich von dieser Aussage halte: Nicht viel, denn ganz so wie er es in einer Pressekonferenz dargestellt hat, ist es eben doch nicht. In den 70er Jahren gab es mehrere schwere Winter, in denen Fahrten in die Heimat und nach Hause auch schwierig und teilweise sogar gar nicht möglich waren. Haben wir und hat er das vergessen? Über Jahrzehnte waren Menschen zwischen Ost und West getrennt! Ist auch das nur noch interessant für die Geschichtsbücher?

Es hat immer Zeiten gegeben, in denen es schwierig war, zu reisen. Das haben schon Maria und Josef erleben müssen. Die irrten wegen einer Volkszählung im Nahen Osten umher und wurden in Bethlehem von Tür zu Tür geschickt, weil keiner eine Unterkunft für sie hatte.

Wir brauchen nicht darüber diskutieren:
Diese Weihnachten, es wird ein anderes sein und es wird sich seltsam anfühlen, unsere Liebsten nicht zu umarmen, aber, deswegen fällt es nicht aus. Anders als früher haben wir heute nämlich ganz neue Möglichkeiten und Wege, mit so einer Situation umzugehen. Unser lieber Mike wird sehr wohl mit seiner Mutter feiern, nämlich über das Internet und per Face-Time. Die beiden haben sich verabredet, werden dort Kaffee trinken und gemeinsam essen, sie freuen sich aufeinander.

Wir leben in einer Welt, die so kommunikativ ist, dass wir zwar alleine, aber nicht einsam sind, und das gibt uns ein Gefühl der Sicherheit in dieser so schweren Zeit. Wir müssen nicht auf eine freie Leitung nach England oder Griechenland warten. Eine Verbindung ist blitzschnell hergestellt. Wir müssen nicht auf unseren Geldbeutel achten, weil ein Gespräch vielleicht zu teuer ist. Telefonieren ist so günstig wie nie und über das Internet sogar komplett kostenlos.

Einfach mal ruhig werden, den Alltag vergessen und sicher eigenen Familie erfreuen, es geht, wenn auch auf andere Art und Weise als sonst.
Ruhig werden meint nicht den Lockdown, nicht das, was nicht mehr geht, sondern richtet sich an unser Herz und an unsere Seele. Es sagt: Gönn dir mal einen Tag, an dem du für dich selbst zur Ruhe kommst und durchatmest. Vergiss für einige Stunde deine Sorgen, den nervigen Alltag und die belastenden Nachrichten. Es ist Weihnachten, koche dir etwas Schönes, zünde die Kerzen an, lass den Christbaum leuchten und wisse, du hast es dir verdient. Erfreue dich an deinen Liebsten, rufe sie an, sehe sie bei Facetime und sei trotz aller Sorgen dankbar: Du bist gesund!

Liebe Leser, wir wünschen Ihnen den Mut, die Kraft und den Willen, dieses Fest zu feiern und sich darauf zu freuen. Es ist anders, keine Frage, aber es ist und bleibt Weihnachten.

von Johannes Voutsinas

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