Dresden. Bau- und Gartenmärktebetreiber kippen lebende Pflanzen vor dem Sozialministerium in Dresden ab.

Stephan Lichtenstein, geschäftsführender Gesellschafter der Leitermann GmbH & Co. Fachmarkt KG, kann es nicht fassen. Nachdem die neuen Corona-Schutzrichtlinien verabschiedet und den Ländern dabei ein gewisser Handlungsspielraum eingeräumt wurde, sollen nun erneut in Sachsen, laut Beschluss von Sozialministerin Petra Köpping, Gartenmärkte, die an einen Baumarkt angeschlossen sind, dicht machen müssen. Damit grenzt sich Sachsen von allen anderen Bundesländern ab, wo unter Einhaltung der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen an Baumärkte angeschlossene Gartenmärkte geöffnet bleiben dürfen.

Ministerin Köpping lässt Sachsens Gartenträume platzen  Foto: meeco Communication ServicesMinisterin Köpping lässt Sachsens Gartenträume platzen Foto: meeco Communication Services

Über diese sächsische Sonderregelung ist Lichtenstein, der sieben Bau- und Gartenmärkte in Sachsen und Thüringen betreibt, regelrecht entsetzt: „Hier geht es schlichtweg um die Existenz von mittelständischen Händlern und Produzenten. Diese müssen bei Aufrechterhaltung dieses verheerenden Beschlusses von Frau Köpping die im Vorfeld getätigten Arbeiten für das Gartenjahr 2021 wie beispielsweise junge Gemüsepflanzen und Blumen vernichten und somit erneut nach dem Lockdown 2020 sowie dem lange andauernden Winter 2020/2021 existenzbedrohende Einbußen verzeichnen.“ Aus diesem Grund organisierte Lichtenstein eine Protestaktion in Sachsens Landeshauptstadt. Betreiber von an Baumärkte angeschlossenen Gartenmärkten in Sachsen waren aufgefordert, lebende Pflanzen auf Transporter zu laden und diese vor dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz abzukippen. Zudem wurde ein großes Banner aufgehängt, welches das Ausmaß der Schließungen und den damit verbundenen Frust verdeutlicht. Holzkreuze, die auf den Bergen von Blumen und Kompost platziert wurden, untermalten die Aktion.

Ministerin Köpping lässt Sachsens Gartenträume platzen  Foto: meeco Communication ServicesMinisterin Köpping lässt Sachsens Gartenträume platzen Foto: meeco Communication Services

„Gerade seit Beginn der Pandemie haben sich die Menschen ihre persönlichen Rückzugsorte gesucht. Neben dem eigenen Haus oder der Wohnung sind es oftmals Gärten, die zu Oasen der Ruhe geworden sind und zum Krafttanken in dieser ungewissen Zeit abdingbar scheinen. Hier ist genau der Verbindungspunkt zu uns als Bau- und Gartenfachmarkt. Wir sind zu einer Art ‚Fels in der Brandung’ geworden, um den Alltag trotz Corona weitestgehend sinnvoll und lebendig zu gestalten. Viele Do-it-yourself-Projekte wurden und werden realisiert, wodurch die Nachfrage nach Pflanzen, Sämereien sowie Bau- und Gartenutensilien jeglicher Art ungebrochen ist“, so Lichtenstein weiter.

Des Weiteren beklagt er den fehlenden Rundumblick von Staatsministerin Petra Köpping, da es keinerlei Sortimentsauflagen in Supermärkten gibt, in denen in der Regel enge Regalreihen zum Standard gehören. Die Infektionswahrscheinlichkeit in Baumärkten ist deutlich geringer und tendiert laut Expertisen von Max-Planck-Instituten sogar gegen Null. „Ein gutes Drittel eines Bau- und Gartenmarktes ist Freifläche mit durchgängiger Frischluftzufuhr. Durch die spezielle Raumkubatur mit sehr hohem Raumvolumen, das durch eine Deckenhöhe zwischen sechs und acht Metern erreicht wird, findet ein ständiger natürlicher Luftaustausch durch die Eingangsschleuse und die internen Verbindungen zur Freifläche und zum Gartencenter statt – mindestens vier Mal pro Stunde, was den Anforderungen eines Krankenhauses entspricht“, so der geschäftsführende Gesellschafter der Leitermann GmbH & Co. Fachmarkt KG.

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Baumärkte sind zudem in vielen Bereichen Grundversorger, die durch die sachsenweite Schließung ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen können. So sind sie auch Anlaufstelle Nummer Eins für die Aufrechterhaltung beziehungsweise die Vorbereitung der Corona-Schutzmaßnahmen für Institutionen wie Schulen, Behörden, Krankenhäuser und Arztpraxen, aber auch mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe, die sich regelmäßig mit neuen Abstandshaltern, Absperr- und Klebebändern sowie Plexiglasscheiben als Ersatz eindecken. „Die bestehenden Kontakt- und Ausgangssperren sind nur erfolgreich, wenn sich die Menschen in ihrem Zuhause wohlfühlen und die Möglichkeit haben, ihr Zuhause und ihren Garten zu verschönern oder auch eventuelle Reparaturen durchführen können“, so Lichtenstein abschließend.

Die Leitermann GmbH & Co. Fachmarkt KG hat sieben Standorte, zwei davon in Thüringen (Altenburg und Schmölln) und fünf in Sachsen (Glauchau, Rochlitz, Zwickau, Chemnitz und Oelsnitz/Erzgebirge). Insgesamt rund 330 Mitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Ablauf, der seit Ausbruch der Pandemie mit großem Augenmerk und Aufwand auch die konsequente Einhaltung der staatlichen Corona-Auflagen umfasst.

Quelle: meeco Communication Services