Dresden. Sumatra-Orang-Utans sind akut von der Ausrottung bedroht. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt den Bestand auf ca. 14.000 Tiere.

Sumatra-Orang-Utans sind akut von der Ausrottung bedroht. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt den Bestand auf ca. 14.000 Tiere. Was erstmal viel klingt, ist doch erschreckend wenig, wenn man sich einen bildhaften Vergleich heranzieht. Alle Sumatra-Orang-Utans der Welt würden das Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion mit seinen etwa 32.000 Plätzen nicht mal zur Hälfte füllen. Und der Bestand nimmt weiter ab!! Wir möchten deshalb den heutigen Welt-Orang-Utan-Tag nutzen, um eben auf diese Bedrohung aufmerksam zu machen und gleichzeitig die Artenschutzarbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt auf Sumatra vorzustellen.

Heute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag  - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGFHeute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGF

Warum sind Orang-Utans eigentlich bedroht?
Kurz und einfach: Ihr Lebensraum, die tropischen Tieflandregenwälder Sumatras, verschwinden. Sie werden für den Bau von Ölpalmenplantagen abgeholzt, die hunderte Quadratkilometer groß sein können. Palmöl besitzt eine Vielzahl sehr nützlicher Eigenschaften und findet Verwendung in einer Vielzahl von Produkten wie Lebensmitteln, Kosmetika oder auch Biokraftstoff. Aber auch die Gewinnung wertvoller Tropenhölzer lässt den Regenwald schwinden. Der Neubau von Straßen zerstückelt und fragmentiert den Lebensraum und Orang-Utan-Populationen weiter und erschließt bisher unzugängliche Regionen für den illegalen Wildtierhandel, unter anderem auch mit Orang-Utans. Menschenrechtsverletzungen werden bei all diesen Dingen dabei zusätzlich in Kauf genommen.

Heute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag  - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGFHeute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGF

Die Artenschutzarbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt
Bereits seit den 70er Jahren ist die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) auf Sumatra aktiv. Seit Ende der 90er Jahre fokussiert sich die ZGF dabei auf den Bukit Tigapuluh Nationalpark, der erst 1995 ausgerufen wurde. Ursprünglich als Wiederansiedlungsprojekt von Orang-Utans gestartet, hat sich das Projekt der ZGF zu einem umfassenden Landschaftsschutzprojekt entwickelt. Neben der Wiederansiedlung von Orang-Utans stehen dabei auch der Schutz des Parks mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, Wildtiermonitoring und -forschung, Mensch-Elefant-Konfliktvermeidung, Umweltbildung und Unterstützung lokaler Gemeinden auf dem Programm.

Heute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag  - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGFHeute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGF

Eine Schule für Orang-Utans
Die Wiederansiedlung von Orang-Utans ist ein langwieriger Prozess, der sich über Jahre ziehen kann. Die Orang-Utans, welche in das Projekt kommen, sind meist 4 bis 7 Jahre alt und wurden entweder konfisziert oder aus gerodeten Waldflächen gerettet. Nachdem die Tiere medizinisch untersucht und quarantenisiert wurden, kommen die jungen Orang-Utans in die sogenannte Dschungelschule. Hier lernen die Orang-Utans, die oft traumatisiert sind, alles was sie für das Überleben im Regenwald lernen müssen. In der Natur übernimmt diese Rolle die Mutter, bei der die Jungtiere bis zu 9 Jahre verbleiben. Die eigentliche Auswilderung wird von Scouts der ZGF begleitet und beobachtet. Während junge Tiere in der Nähe der Station ausgewildert werden, bringt man ältere Tiere bis zu 10 km in den Nationalpark. Und obwohl Orang-Utans Einzelgänger sind, werden sie oft in Zweiergruppen ausgewildert. Diese „Travelbonds“ haben sich als nützlich erwiesen, da sich die Orang-Utans so auch gegenseitig unterstützen können.

Heute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag  - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGFHeute am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag - Sudin und Siti ©Endah Wahyu Sulistiant / ZGF

Sudin & Siti
Im April dieses Jahrs sind mit Sudin und Siti die bisher jüngsten Orang-Utans ins Programm der ZGF gekommen. Die beiden Jungtiere sind erst 1,5 Jahre alt und konnten kurz vor dem Schmuggel nach Java von den indonesischen Behörden beschlagnahmt werden. Für die Mitarbeitenden der ZGF ist dies eine vollkommen neue Erfahrung, arbeiten sie doch sonst mit deutlich älteren Orang-Utans. Für die erste Zeit wurde daher im Büro der ZGF auf Sumatra in Jambi eine Kinderstube eingerichtet. Demnächst sollen die beiden Jungtiere dann auch in die Feldstation gebracht werden und auf eine künftige Auswilderung vorbereitet werden. Die Arbeit mit so jungen Waisen wird alle Beteiligten aber vor besondere Herausforderungen stellen.

Was können wir für Orang-Utans tun?
Aber auch in Deutschland kann jeder etwas für den Schutz von Orang-Utans tun. Wir als Zoo freuen uns natürlich über jeden Zoobesucher und jede Zoobesucherin, die neben dem Eintritt auch den freiwilligen Artenschutzeuro an der Kasse zahlt. Diese Einnahmen helfen uns auch künftig die Arbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zu unterstützen. Bisher konnten wir die ZGF so mit 75.000 € unterstützen. Darüber hinaus können wir alle unser Konsumverhalten überdenken und bewusster einkaufen. Auch wenn Sigel und Zertifizierungen nicht perfekt sind, helfen sie doch einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Das Ziel muss daher nicht sein, Palmöl gänzlich zu vermeiden, aber Ursprung und Herkunft zu überprüfen. Und zu guter Letzt können wir alle unser eigenes Umfeld für Themen wie Umweltzerstörung, Naturschutz, Menschenrechtsverletzungen und Nachhaltigkeit sensibilisieren und aufklären – auch gern mit einem Zoobesuch.

Rückfragen zu diesem Thema beantwortet Ihnen gern Dipl.-Biologe Thomas Brockmann unter der Telefonnummer 0351-4780618.

Quelle: Zoo Dresden