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MeiDresden.de - Aktuelle News aus Dresden und der Umgebung - „Die Angst läuft immer mit“

MeiDresden.de  23.06.2017  14:30 UhrWie überqueren Sie eine Fußgängerampel? Sehr wahrscheinlich so wie ich, nämlich ohne groß nachzudenken und sich irgendwelche Sorgen zu machen! Aber ist das so auch immer richtig? Als freier Journalist und Fotograf bin ich täglich unterwegs. Fast, kann man sagen, die Straßen von Dresden sind mein Zuhause! Vielleicht haben Sie mich sogar schon einmal in der Tram gesehen? Zu meinen Terminen fahre ich viel mit der Straßenbahn.

Wenn ich zur Haltstelle laufe muss ich einige Ampeln passieren. Dabei führt mich mein Weg zwei Mal auch über die B170. Genau hier, habe ich vor einigen Wochen etwas erlebt, wovon ich Ihnen heute gerne berichten möchte. Wissen müssen Sie hierzu, dass ich vor den beiden Querungen die über die Bundesstraße führen wirklich Respekt habe. Nicht nur einmal habe ich hier schon sehen können und müssen, wie Autos dort viel zu schnell heran gesaust sind und im letzten Moment erst in die Eisen gegangen. Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon gefragt habe, wann da wohl etwas passiert.

Foto: MeiDresden.de/Mike Schiller
 
Vor einigen Wochen jedenfalls, bin ich hier nun auch wieder unterwegs. Es ist der grüne Donnerstag vor Ostern. Ich stehe an der Ampel, neben mir befindet sich eine junge Frau mit einem Fahrrad. Wir müssen warten, denn unser Lichtsignal zeigt rot. Auf der linken Abbiegespur hat ein kleiner Kastenwagen gehalten, der aber immerhin noch groß genug ist, um uns die direkte Sicht auf die Geradeausspur zu nehmen. Als die Ampelphase wechselt, startet die Dame mit ihrem Zweirad direkt durch. Auch ich mache mich auf dem Weg, laufe an dem Kastenwagen vorbei, ahne nichts Böses und wie aus dem Nichts, rast plötzlich ein schwarzer PKW über die Ampel. Meine Arme fliegen nach oben, ich stammele ein „Ach, du Sche…“ und vor meinem geistigen Auge, sehe ich bereits mein Leben zu Ende gehen.
 
Gott sei Dank ist nichts passiert. Aber der Schock sitzt tief. Mir wird klar, ich hatte Glück, richtig großes Glück! Im ersten Moment ärgert man sich nur, aber dann, dann wird einem klar, was da gerade passiert ist und man denkt sich: „Mensch, das hätte auch ins Auge gehen können“. Mein Tag jedenfalls ist gelaufen. Mein Kreislauf ist jenseits von „Gut und Böse“, meine Knie wackeln, mir ist schlecht, ich habe Tränen in den Augen. Wie aus der Ferne gesteuert, steige ich in die Straßenbahn der Linie 7. Hier falle ich zwei Frauen auf, die mir anbieten, mich doch zu setzen und denen ich von dem Erlebten berichte.
 
Mich lässt dieser Vorfall nicht mehr los. Hier haben Bruchteile von Sekunden über Leben & Tod entschieden. Was, wenn eine Frau mit Kinderwagen hier unterwegs ist, kann sie auch so schnell und gegenwärtig reagieren wie ich? Was wenn hier Schüler oder gar Kinder die B170 passieren wollen? Das mag ich mir nicht vorstellen.
 
Für mich ist klar, hier muss ich als Journalist tätig werden. Ich wende mich an das Presseamt der Landeshauptstadt Dresden. Ich möchte wissen, wie sich die Ampelschaltung am Carolaplatz hinsichtlich der am Rathenauplatz gestaltet. Gibt es ein Tempolimit in diesem Bereich und wenn ja, welches? Mich interessiert, kann man die Schaltungen der verschiedenen Querungen nicht so optimieren, dass sie einander angepasst sind?

Foto: MeiDresden.de/Mike Schiller
 
Das Presseamt reagiert schnell. Die Antwort ist ernüchternd. „Die Ampel ist in Ordnung“ heißt es lapidar. Für mich viel zu wenig. Meine Konsequenz, eine Beschwerde beim zuständigen Amt, was offenkundig andere Geschwindigkeiten bei der Bearbeitung von Bürgeranliegen an den Tag legt. Es dauert rund acht Wochen, also knapp zwei Monate, bis mich folgende Stellungnahme erreicht:

"Die Freigabezeiten der Lichtsignalanlagen Rathenauplatz und Carolaplatz wurden unter den gegebenen geometrischen Bedingungen so aufeinander abgestimmt, dass die Fahrzeuge der Hauptverkehrsströme im Verkehrzug St. Petersburger Straße - Carolabrücke - Albertstraße die Lichtsignalanlagen ohne Halt passieren können. Am Carolaplatz gibt es aber auch einen starken Rechtseinbiegestrom aus Richtung Köpckestraße. Diese Fahrzeuge kommen am Rathenauplatz zum Stehen.

Es ist rot, was macht die Frau da auf dem Fahrrad? Sie ignoriert die Ampel

Neben den koordinierten Verkehrsströmen müssen die Belange aller Verkehrsteilnehmer und gegenseitige Abhängigkeiten innerhalb der Knotenpunkte berücksichtigt werden. Es muss genügend Freigabezeit für die Fahrzeuge der anderen Verkehrsströme, für Straßenbahnen, Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung stehen. Deshalb ist es nicht möglich, alle Fahrzeuge ohne Halt über den Rathenauplatz zu fahren zu lassen". Dies schrieb mir der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften | Straßen- und Tiefbauamt | Abt. Verkehrssteuerung/Öffentliche Beleuchtung der Landeshauptstadt Dresden.

Wie die Stadt ja selber schreibt: "müssen die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtig werden" Klar, aber steht ein Leben unter einem Verkehrsfluss?

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