Eine Extraportion Pflege? „Her damit!“, rufen wir, gerade jetzt, wenn der Herbst beginnt und Kälte und trockene Heizungsluft die Gesichtshaut strapazieren. Deswegen haben wir reichhaltige Pflegecremes getestet – und die Auswahl im Kosmetikregal ist groß. Für unseren Test haben wir 32 Produkte eingekauft. Glaubt man den Herstellern, sollen manche davon nicht nur pflegen und nähren, sondern können sogar die Zeit zurückdrehen. Sie versprechen, die Haut zu straffen, Falten zu reduzieren oder gleich einen waschechten Liftingeffekt zu haben. Wir wollten wissen: Können die angeblichen Wundermittel wirklich mehr als eine herkömmliche Pflegecreme? Nur drei Hersteller legten überhaupt vollständige, produktbezogene Studien vor – leider belegen diese aus unserer Sicht nicht ausreichend einen Vorteil gegenüber einer einfachen Creme. Die vermeintlichen Antifaltencremes mussten sich nicht einmal gegen ein Vergleichsprodukt, sondern nur nauf unbehandelter Haut beweisen. Das werten wir ab: Wer Faltenreduktion oder irgendeine Art von Anti-Aging-Effekt verspricht, sollte ausreichend nachweisen können, dass sein Produkt mehr leistet.

ÖKOTEST: Gesichtscremes im Test - Vier Teure patzen . Foto MagnificÖKOTEST: Gesichtscremes im Test - Vier Teure patzen . Foto Magnific

Zu künstlich für Naturkosmetik
Mit den Versprechen, die man auch halten sollte, kommen wir zu einem der Tabellenschlusslichter und damit einem etwas überraschenden Fall. Die That’s me organic 24h Hyaluron Creme Aloe ist Natrue-zertifizierte Naturkosmetik und darf entsprechend keine synthetischen Duftstoffe enthalten. Das von uns beauftragte Labor wies allerdings den künstlichen Moschusduft Galaxolid nach, der sonst von allen 32 getesteten Cremes nur noch in der ebenfalls „ungenügenden“ Douglas Skin Focus Collagen Youth Anti-Age Rich Cream nachweisbar war. Wir kritisieren den Stoff schon in konventionellen Cremes, weil er sich im menschlichen Fettgewebe anreichert und im Verdacht steht, das Hormonsystem zu beeinträchtigen; auch für eine leberschädigende Wirkung gibt es Hinweise. Derzeit prüft die EU sogar eine Einstufung als wahrscheinlich reproduktionstoxisch – was ein Verbot in Kosmetik nach sich ziehen könnte. In zertifizierter Naturkosmetik wie der That’s me organic 24h Hyaluron Creme Aloe hat der Duftstoff auch nach Aussage des Zertifizierers Natrue definitiv nichts zu suchen.

Eigene Analysen des Herstellers bestätigten unsere Befunde, weshalb er entschieden hat, „den weiteren Verkauf des Produkts mit sofortiger Wirkung auszusetzen und den noch vorhandenen Warenbestand aus dem Verkehr zu nehmen“. Das Problem sei auf eine fehlerhafte Charge einer zugekauften Duftkomponente zurückzuführen. Erst wenn eine neue, nachweislich saubere Duftkomponente vorliege, erfolge eine Neuproduktion.

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Alle vier Schlusslichter teuer
Am Tabellenende findet sich noch ein drittes teures Markenprodukt: Die Lancôme Nutrix reichhaltige Creme kommt als einzige schon allein mit ihren Inhaltsstoffen auf ein „ungenügend“ – da fallen die Weiteren Mängel gar nicht mehr ins Gewicht. Wir kritisieren die potenziell allergieauslösenden Duftstoffe Isoeugenol und Cinnamylalkohol, PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), mit denen mineralölbasierte Fette wie Paraffine verunreinigt sein können. Die Stoffgruppe der MOAH kann auch krebserregende Verbindungen enthalten. Inwiefern sie über die Haut aufgenommen werden und ob sie sich im Körper anreichern, ist noch nicht abschließend geklärt. Mit „mangelhaft“ kommt die Kiehl’s Ultra Facial Cream ein kleines bisschen besser weg. Hier bemängeln wir hauptsächlich das Konservierungsmittel Chlorphenesin, das allergische Reaktionen hervorrufen kann – und, wie bei Lancôme und noch zwei weiteren Cremes, PEG/PEG-Derivate. Auffällig ist, dass alle vier Tabellenschlusslichter mehr als 20 Euro kosten und damit zu den teureren Cremes im Test gehören. Zwar gibt es auch hochpreisige Produkte im grünen Bereich – umgekehrt schneiden aber alle günstigen Cremes in unserem Test für weniger als fünf Euro „gut“ oder „sehr gut“ ab.

Unnötige Umverpackungen
Kommen wir zu einem Umweltaspekt, der uns allein schon deshalb ärgert, weil er so unnötig ist. Mehr als drei Viertel der Cremes stecken nicht nur in einer Tube oder einem Glastiegel, sondern zusätzlich noch in einem Umkarton, der einfach aufgerissen und weggeworfen wird. Lancôme verpackt den aus unserer Sicht schon unnötigen Umkarton seiner Lancôme Nutrix reichhaltige Creme dann sogar noch einmal mit einer noch unnötigeren Folie – da ist in Sachen Verpackungseffizienz noch deutlich Luft nach oben. Wir werten beides ab. Nur sechs Hersteller verzichten auf unnötige Zusatzverpackungen – darunter auch drei, deren Produkte „sehr gut“ abschneiden.

Weitere Informationen finden Sie in der Oktoberausgabe des ÖKO-TEST Magazins und online unter: https://www.oekotest.de/601825