Immer mehr Elektroautos kommen als Gebrauchtwagen auf den Markt. Das erweitert die Auswahl für Käuferinnen und Käufer und eröffnet vielen einen günstigeren Einstieg in die Elektromobilität. Gleichzeitig stehen Interessierte vor Fragen, die sich nicht auf den ersten Blick beantworten lassen. Denn Faktoren wie Batteriezustand oder Ladeleistung, lassen sich oft nur anhand nachvollziehbarer Unterlagen einschätzen. „Viele schauen auf Preis, Alter und Laufleistung. Beim E-Auto lohnt es sich aber, genauer hinzusehen“, sagt Stephan Häbold, Leiter der TÜV NORD Station Dresden. „Wer wichtige Angaben nicht überprüfen kann, kauft im Zweifel mit einer größeren Unsicherheit. Deshalb sollte man sich relevante Nachweise immer zeigen lassen.“
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Gibt es einen aktuellen SoH-Nachweis für die Batterie?
An erster Stelle steht der Zustand der Hochvoltbatterie – das zentrale Bauteil eines Elektroautos. Käuferinnen und Käufer sollten deshalb nach einem aktuellen SoH-Nachweis (State of Health) fragen. Dieser Wert gibt Aufschluss darüber, in welchem Zustand sich die Batterie befindet und wie viel ihrer ursprünglichen Kapazität noch verfügbar ist. „Anders als eine Garantie beschreibt der SoH-Wert den tatsächlichen Zustand des Akkus zum Zeitpunkt der Prüfung. Ein aktueller Nachweis schafft deshalb Transparenz und erleichtert den Vergleich verschiedener Fahrzeuge“, sagt Häbold. Fehlt dieser Nachweis, kann eine unabhängige Prüfung wie etwa der TÜV NORD BatterieCheck Sicherheit schaffen.
Welche Batteriegarantie gilt noch?
Eine bestehende Batteriegarantie kann das finanzielle Risiko beim Gebrauchtwagenkauf deutlich reduzieren. Käuferinnen und Käufer sollten deshalb prüfen, ob die Garantie noch gültig ist und welche Bedingungen dafür gelten. Stationsleiter: „Wichtig sind dabei vor allem Laufzeit, Kilometerstand und mögliche Voraussetzungen des Herstellers. Die Aussage, es bestehe noch eine Garantie, sollte sich immer durch entsprechende Unterlagen belegen lassen.“
Wie weit komme ich mit einer Batterieladung tatsächlich?
Die angegebene Reichweite ist ein wichtiger Orientierungswert, sagt aber wenig über den Alltag aus. Faktoren wie Außentemperatur, Fahrweise oder die Nutzung von Heizung und Klimaanlage beeinflussen den Verbrauch und damit die tatsächlich erreichbare Strecke. Deshalb sollte man sich Verbrauchs- und Reichweitenwerte direkt im Fahrzeug zeigen lassen und diese im Rahmen einer Probefahrt abgleichen.
Wie schnell und zuverlässig lädt das Fahrzeug?
Nicht nur die Reichweite, sondern auch das Ladeverhalten entscheidet darüber, wie alltagstauglich ein E-Auto ist. Interessierte sollten deshalb nach konkreten Erfahrungen beim Schnellladen fragen oder einen kurzen Ladevorgang vereinbaren. „Hilfreich sind zudem Angaben aus Lade-Apps oder dokumentierte Praxiswerte. Wiederkehrende Ladeabbrüche oder starke Leistungsschwankungen sollten nachvollziehbar erklärt werden können“, sagt der TÜV-Experte.
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Ist die Service- und Wartungshistorie nachvollziehbar?
Serviceeinträge, Software-Updates und dokumentierte Reparaturen helfen dabei, den Zustand eines Fahrzeugs besser einzuordnen. Käuferinnen und Käufer sollten sich deshalb entsprechende Nachweise, Serviceunterlagen und Rechnungen zeigen lassen. Fehlen diese Unterlagen, lässt sich oft nur schwer nachvollziehen, welche Arbeiten tatsächlich durchgeführt wurden.
Gab es Unfälle oder größere Reparaturen?
Wie bei jedem Gebrauchtwagen gehört auch die Frage nach Unfallschäden dazu. Angaben wie „unfallfrei“ sollten möglichst schriftlich dokumentiert sein. Wurden Schäden ausgebessert, helfen Rechnungen, Gutachten oder Fotos, den Umfang und die Qualität der Arbeiten nachzuvollziehen. Zusätzlich können ein Blick auf Lackbild, Spaltmaße und Unterboden Hinweise auf frühere Reparaturen liefern.
„Beim gebrauchten E-Auto entscheiden oft Faktoren über den Fahrzeugwert, die sich nicht auf den ersten Blick erkennen lassen“, sagt Häbold. „Wer sich relevante Unterlagen zeigen lässt und offene Fragen vor dem Kauf klärt, kann Angebote deutlich besser vergleichen und unangenehme Überraschungen vermeiden.“
Quelle: TÜV NORD Station Dresden