Im Frühjahr werden in vielen Wäldern wieder junge Europäische Wildkatzen gesichtet. Die gute Nachricht: Die einst seltene Art breitet sich zunehmend wieder aus. Gleichzeitig wächst jedoch eine neue Gefahr: Immer wieder werden Wildkatzenjungtiere von Spaziergängern mit vermeintlich ausgesetzten Hauskätzchen verwechselt und aus dem Wald mitgenommen. Das kann jedoch tödliche Folgen haben. Der BUND Sachsen appelliert daher eindringlich: Graugetigerte Kätzchen im Wald bitte nicht anfassen oder mitnehmen.
Wildkatze Familie. Foto: Tthomas Stephan
Almut Gaisbauer, Projektleiterin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND Sachsen: „Die Wildkatze kehrt langsam in Sachsens Wälder zurück. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch genau diese positive Entwicklung bringt ein neues Risiko mit sich: Ihre Jungtiere werden häufig mit Hauskatzen verwechselt.“ Wildkatzen sind aber keine davongelaufenen Hauskatzen, sondern echte Wildtiere. Lokale Populationen leben im Leipziger Auwald und im Werdauer Wald. Einzelne Nachweise gibt es in der Elsteraue südlich von Leipzig, in der Dübener Heide und im Vogtland. Die Anwesenheit der Wildkatze gilt als wichtiger Indikator für naturnahe und artenreiche Wälder.
Zum Verwechseln ähnlich
Wildkatzen sehen graugetigerten Hauskatzen ähnlich. Zudem lässt das alleinerziehende Muttertier seine Jungen während der Mäusejagd im Versteck zurück. Werden die neugierigen Jungtiere beim Spielen entdeckt, wirkt es oft so, als seien sie hilflos verlassen.
Gaisbauer: „Was wie Hilfe aussieht, ist oft das Gegenteil: Wird ein gesundes Wildkätzchen mitgenommen, sinken seine Überlebenschancen drastisch. Die Tiere sind sehr empfindlich, vertragen kein übliches Katzenfutter und können sich schnell mit Krankheiten von Hauskatzen infizieren.“ Die Europäische Wildkatze kehrt in ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurück. Doch gerade in Regionen mit kleinen oder noch instabilen Beständen kann jede Entnahme die Ausbreitung der Art gefährden.
Wildkatze entdeckt, was ist nun zu tun?
Gaisbauer: „Wenn Sie vermeintlich verlassene Jungtiere finden, entfernen Sie sich leise. Prüfen Sie nach etwa sechs bis zwölf Stunden, ob die Kätzchen noch da sind. Wenn das der Fall ist, rufen Sie das BUND-Notfalltelefon oder den BUND Sachsen an.“ Nur wenn Jungtiere offensichtlich in Not sind, sollte man direkt eingreifen. Das kann nötig sein, wenn sie beispielsweise verletzt sind oder laut schreiend Waldbesuchenden hinterherlaufen. Wildkatzen sind deutschlandweit streng geschützt. Die Mitnahme von Jungtieren aus der Wildbahn und ihre Haltung in Privathaushalten ist daher verboten.
Junge Wildkatzen. Foto: Thomas Stephan
Hinweis: Hilfe zur richtigen Entscheidung
Um Verwechslungen zu vermeiden, stellt der BUND Sachsen Informationsmaterialien, Videos und einen Handlungsleitfaden zur Verfügung. Diese zeigen, wie Wild- und Hauskatzen unterschieden werden können und was im Ernstfall zu tun ist.
Notfalltelefon im Wildkatzendorf Hütscheroda: Täglich von 10 bis 18 Uhr erreichbar unter: 036254 / 86 51 80
Kontaktdaten des „Rettungsnetz Wildkatze“ vom BUND Sachsen: 0157 5795 3882
Weitere Informationen: www.bund-sachsen.de/tier-pflanze/wildkatze/verwechslungsgefahr/
Wildkatze beobachtet? Melden Sie es hier: https://www.bund-sachsen.de/themen/tier-pflanze/wildkatze/wildkatzenmeldung/
Quelle: BUND