Der Zweckverband Verkehrsverbund Ostsachsen (ZVVO) hat sich auf seiner ersten Sitzung in Bautzen konstituiert und Beschlüsse für die weitere Entwicklung des Nahverkehrs in den bisherigen Verbünden Oberelbe und Oberlausitz-Niederschlesien gefasst. Mit den neuen Verbandsräten aus dem Landkreis Görlitz sowie der Großen Kreisstadt Görlitz wurde der bisherige Verbandsvorsitzende Michael Geisler, Landrat des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, im Amt bestätigt. Stellvertreter sind Udo Witschas, Landrat des Landkreises Bautzen sowie Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden.

© MeiDresden.de© MeiDresden.de

Darüber hinaus wurden Personalentscheidungen für die beiden Gesellschaften VVO GmbH sowie ZVON GmbH getroffen, die im Auftrag des Zweckverbandes tätig sind. Die beiden Gesellschaften werden gemäß Beschluss der heutigen Verbandsversammlung zukünftig von Burkhard Ehlen in Personalunion geführt. „Um die einheitliche Geschäftsführung von Zweckverband und den beiden Gesellschaften zu gewährleisten, wird der bisherige Geschäftsführer des VVO, Burkhard Ehlen, zukünftig auch für die VON GmbH verantwortlich sein“, erläutert Landrat Udo Witschas. „Die Verbandsversammlung bedankt sich beim bisherigen Geschäftsführer Christoph Mehnert für die geleistete Arbeit und die Begleitung des Integrationsprozesses und wünscht ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute.“ Ziel ist es, die beiden GmbHs bis zum Jahresende zu verschmelzen. Entsprechend der Beschlüsse bleiben unabhängig davon die beiden Standorte Dresden und Bautzen erhalten.

Die Verbandsversammlung wurde am Dienstag zum aktuellen Stand der tariflichen Übergangslösungen zwischen dem ZVON-Tarif und dem VVO-Tarif informiert, an denen Teams in den beiden Geschäftsstellen arbeiten. „Mit dem Deutschlandticket konnten schon Vereinfachungen für Pendler geschaffen werden, aber insbesondere für Bürgerinnen und Bürger, die nur gelegentlich zwischen den beiden Tarifgebieten fahren, muss es rasch einfache Lösungen geben“, betont Landrat Udo Witschas. „Ein erster Schritt ist die Ausweitung des sogenannten Katzensprungtickets, so dass die Fahrgäste rund um Bischofswerda, Bautzen und Wilthen mehr Busse für die Anfahrt zum Zug in die Landeshauptstadt nutzen können.“ Die Ausweitung erfolgt spätestens zum Sommer dieses Jahres. Als zweiter Baustein wird bis zum Sommer 2026 das im VVO bereits etablierte System FAIRTIQ auf den ZVON ausgeweitet. „So können die Fahrgäste dann mit einem Check-In beim Einsteigen und einem Check-Out beim Aussteigen durch einen Tarifrechner im Hintergrund den günstigsten Preis für die Fahrt durch beide Verbundgebiete nutzen.“ Für die ebenfalls angestrebte gegenseitige Anerkennung der Bildungstickets von VVO und ZVON laufen noch Gespräche: „Wenn das Ticket zukünftig in beiden Verbünden gilt, müssen die dann geringen Einnahmen ausgeglichen werden und über deren Höhe sowie die Finanzierung sind wir mit den Verkehrsunternehmen im Gespräch“, so Udo Witschas.        

 Unabhängig von diesen Zwischenlösungen hat die Verbandsversammlung heute den Prozess zur Entwicklung eines neuen gemeinsamen Ostsachsen-Tarifs gestartet. Erster Schritt ist die Auswahl eines Gutachters für die Erarbeitung des neuen Tarifsystems. Neben Ideen zur Tarifgestaltung in Verbindung mit neuen vertrieblichen Ansätzen stehen zudem die wirtschaftlichen Auswirkungen eines neuen Tarifmodells im Fokus. Die Beauftragung für das Gutachten soll in der Verbandsversammlung im Juni erfolgen, für die Erarbeitung eines neuen Tarifmodells samt Modellierung der Einnahme- und Nachfragewirkungen ist ein Zeitraum von rund 2 Jahren geplant.

Neben der Schaffung eines Ostsachsen-Tarifs steht zudem die Gestaltung eines neuen Ostachsen-Netzes im Fokus des neuen Zweckverbandes. Die Verbandsversammlung hat daher die Zusammenfassung der Eisenbahn-Verkehrsleistungen aus dem jetzigen Ostsachsennetz, des Spree-Neiße-Netzes und des VVO-Dieselnetzes beschlossen. „Für die Gestaltung des neuen Angebotes sind wir mit den benachbarten Verbünden und Aufgabenträgern in Brandenburg, Polen und Tschechien im Gespräch“, erläutert Landrat Michael Geisler. Mit dem neuen Ostachsen-Netz ist zudem die Abkehr von Dieselfahrzeugen und der Einsatz von Oberleitungs-/Batterie-Hybridfahrzeugen (Battery Electric Multiple Unit, BEMU) vorgesehen. „Wir haben die Hoffnung, durch das größere Netz und die gemeinsame Beschaffung neuer Fahrzeuge Kostenvorteile zu erzielen“, so Michael Geisler weiter. „Den nun möglichen Gestaltungsspielraum möchten wir im Interesse der Fahrgäste nutzen.“ Unabhängig vom geplanten Einsatz batterieelektrischer Züge betonte die Versammlung erneut die dringende Notwendigkeit zur Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden – Görlitz, um den Nahverkehr attraktiver zu gestalten und eine Anbindung an den Schienenpersonenfernverkehr zu ermöglichen.

Das Gebiet des Zweckverbandes Verkehrsverbund Ostsachsen (ZVVO) umfasst neben der Landeshauptstadt Dresden und der Großen Kreisstadt Görlitz die Landkreise Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit insgesamt 1,6 Millionen Einwohnern. Der kommunale Zweckverband ist für den Schienenpersonennahverkehr verantwortlich. Darüber hinaus kooperiert er mit den örtlichen Verkehrsunternehmen und gestaltet einen einheitlichen Tarif.

Quelle: Verkehrsverbund Oberelbe GmbH